ECE 22.06 erklärt: Das steckt hinter der aktuellen Helmnorm

Wer sich aktuell einen neuen Motorradhelm kauft, kommt an einem Kürzel nicht vorbei: ECE 22.06. Die Helmnorm entscheidet darüber, welche Helme in Europa zugelassen sind – und sie hat die Anforderungen an Sicherheit deutlich nach oben geschraubt. Doch was genau wird bei der ECE 22.06 eigentlich geprüft? Woran erkennst du, ob dein Helm die aktuelle Norm erfüllt? Und musst du deinen bewährten Helm mit ECE 22.05 jetzt austauschen? In diesem Beitrag bekommst du alle Antworten – verständlich erklärt und ohne Paragraphen-Dschungel.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die ECE 22.06?
- Seit wann gilt die Norm? Der Zeitplan
- Das prüft die ECE 22.06
- ECE 22.05 vs. ECE 22.06 im Vergleich
- Woran erkennst du einen ECE-22.06-Helm?
- Musst du deinen alten Helm austauschen?
- Fazit
- Häufige Fragen zur ECE 22.06
Was ist die ECE 22.06?
Die ECE-R 22 ist die Regelung der Vereinten Nationen (UNECE), die festlegt, wie Motorradhelme geprüft und zugelassen werden. Sie gilt in über 60 Ländern – darunter alle EU-Staaten, die Schweiz und Österreich. Die Zahl hinter dem Punkt bezeichnet die Fassung: Über 20 Jahre lang war die ECE 22.05 der Maßstab, seit einigen Jahren ist die ECE 22.06 die aktuelle Version.
Der Sprung von 05 auf 06 ist deutlich größer, als es die Nummerierung vermuten lässt: Die Prüfverfahren wurden umfassend modernisiert und orientieren sich stärker an realen Unfallszenarien. Kurz gesagt: Ein Helm, der heute eine Zulassung bekommt, muss deutlich mehr können als früher.
Seit wann gilt die Norm? Der Zeitplan
Die Umstellung von ECE 22.05 auf 22.06 lief schrittweise ab:
- Januar 2021: Die ersten Helme werden nach ECE 22.06 zertifiziert.
- Juni 2022: Neue Helmmodelle erhalten nur noch eine Zulassung nach ECE 22.06.
- Juni 2023: Die Produktion von Helmen nach ECE 22.05 endet.
- Seit Anfang 2024: Neue Helme mit ECE 22.05 dürfen im Handel grundsätzlich nicht mehr verkauft werden (je nach Land gab es Übergangsregelungen für Restbestände).
Wichtig: All das betrifft nur den Verkauf neuer Helme. Für das Tragen deines vorhandenen 22.05-Helms gibt es keine Frist – dazu unten mehr.
Aktuelle Integralhelme nach ECE 22.06 im Shop
Das prüft die ECE 22.06
Mehr und härtere Aufpralltests
Bei der ECE 22.05 wurde der Helm an wenigen, vorher festgelegten Punkten geprüft. Nach ECE 22.06 dürfen die Prüfer die Aufprallpunkte frei wählen – Schwachstellen lassen sich also nicht mehr „wegoptimieren“. Zusätzlich wird mit mehreren Geschwindigkeiten getestet, sowohl langsamer (rund 6 m/s) als auch schneller (rund 8,2 m/s) als bisher. Das bildet reale Stürze deutlich besser ab.
Neu: Rotationsbeschleunigung
Die wichtigste Neuerung ist der Schrägaufprall-Test. Bei den meisten realen Unfällen trifft der Kopf nicht senkrecht auf, sondern in einem Winkel – dabei entstehen Drehbewegungen, die das Gehirn stark belasten können. Die ECE 22.06 misst deshalb erstmals die Rotationsbeschleunigung. Helmhersteller reagieren darauf mit Technologien, die diese Kräfte entkoppeln oder dämpfen.

Visier und Sonnenblende im Härtetest
Das Visier muss den Beschuss mit einer Stahlkugel bei rund 60 m/s (216 km/h) überstehen, ohne zu splittern. Auch integrierte Sonnenblenden werden jetzt separat geprüft – unter anderem darauf, dass Ampelfarben korrekt erkennbar bleiben. Mehr zu getönten Visieren und deren Regeln im Straßenverkehr findest du in unserem großen Helm-FAQ.
Klapphelme und Zubehör
Klapphelme werden nach ECE 22.06 in beiden Konfigurationen getestet: mit geschlossenem und mit geöffnetem Kinnteil (P/J-Zulassung). Wenn du zwischen Integral- und Klapphelm schwankst, hilft dir unser Klapphelm-Vergleich weiter. Auch vom Hersteller vorgesehenes Zubehör wie Kommunikationssysteme wird bei der Prüfung berücksichtigt – ein Nachrüsten nach Herstellerfreigabe bleibt damit auf der sicheren Seite.
ECE 22.05 vs. ECE 22.06 im Vergleich
| Kriterium | ECE 22.05 | ECE 22.06 |
|---|---|---|
| Aufprallpunkte | Wenige, fest vorgegeben | Mehr Punkte, frei wählbar |
| Prüfgeschwindigkeiten | Eine Standardgeschwindigkeit | Zusätzlich niedrige und hohe Geschwindigkeit |
| Rotationsbeschleunigung | Nicht geprüft | Schrägaufprall-Test, Messung der Drehkräfte |
| Visier | Basisprüfung | Stahlkugel-Beschuss mit ca. 60 m/s |
| Sonnenblende | Nicht separat geprüft | Eigene Prüfung inkl. Farberkennung |
| Klapphelme | Eine Konfiguration | Geschlossen und offen (P/J) |
| Zubehör/Kommunikation | Nicht berücksichtigt | Wird bei der Prüfung berücksichtigt |
Woran erkennst du einen ECE-22.06-Helm?
Der Blick aufs Etikett genügt: Am Kinnriemen jedes zugelassenen Helms findest du ein eingenähtes Label mit einem E im Kreis (die Zahl dahinter steht für das Land der Zulassung, z. B. E1 für Deutschland). Darunter steht die Genehmigungsnummer – und die beginnt bei der aktuellen Norm mit „06“. Startet die Nummer mit „05“, wurde der Helm noch nach der Vorgängernorm zugelassen.
Beim Helmkauf im Shop musst du übrigens nicht selbst nachschauen: Alle neuen Motorradhelme bei Helmexpress sind nach ECE 22.06 zertifiziert.
Musst du deinen alten Helm austauschen?
Nein. Für Helme mit ECE 22.05 gibt es keine Austauschpflicht – du darfst deinen Helm weiterhin fahren, in Deutschland wie in Österreich. Die Norm regelt die Zulassung neuer Helme, nicht die Nutzung vorhandener.

Trotzdem lohnt sich ein ehrlicher Blick auf das Alter deines Helms: Materialien altern, und nach einem Sturz oder etwa fünf bis sieben Jahren regelmäßiger Nutzung empfehlen Hersteller ohnehin einen Wechsel. Ausführliche Infos dazu findest du in unserem Beitrag Wie lange hält ein Schutzhelm?. Und wenn der Helm bleibt: Mit der richtigen Helmpflege verlängerst du seine Lebensdauer spürbar.
Klapphelme nach ECE 22.06 – in beiden Konfigurationen geprüft
Fazit
Die ECE 22.06 ist ein echter Fortschritt für die Sicherheit: realistischere Aufpralltests, erstmals die Messung von Drehkräften und strengere Anforderungen an Visier, Sonnenblende und Klapphelme. Deinen bewährten 22.05-Helm darfst du weiterfahren – doch wenn ohnehin ein Neukauf ansteht, bekommst du mit einem 22.06-Helm messbar mehr Schutz. Ein Helm ist dabei nur ein Teil der Ausrüstung: Was sonst noch zu einem sicheren Setup gehört, liest du in unserem Ratgeber zur Motorrad-Schutzkleidung.
Häufige Fragen zur ECE 22.06
Ist mein alter Helm mit ECE 22.05 noch erlaubt?
Ja. Es gibt keine Austauschpflicht – Helme mit ECE 22.05 dürfen weiterhin gefahren werden. Nur der Verkauf neuer 22.05-Helme ist im Handel nicht mehr vorgesehen.
Woran erkenne ich, ob mein Helm ECE 22.06 hat?
Am eingenähten Etikett am Kinnriemen: Beginnt die Genehmigungsnummer unter dem E-im-Kreis-Zeichen mit „06“, ist der Helm nach der aktuellen Norm zugelassen.
Sind Helme nach ECE 22.06 teurer?
Die aufwendigeren Prüfungen und neuen Technologien können sich im Preis niederschlagen, doch inzwischen gibt es ECE-22.06-Helme in allen Preisklassen – vom Einsteigerhelm bis zum Premium-Modell.
Gilt die ECE 22.06 auch für Klapphelme und Jethelme?
Ja. Klapphelme werden sogar in beiden Konfigurationen (offen und geschlossen) geprüft, Jethelme entsprechend ihrer Bauart. Entscheidend ist immer die Genehmigungsnummer auf dem Etikett.
Du bist auf der Suche nach einem neuen Helm nach aktueller Norm? Bei Helmexpress findest du eine große Auswahl an Motorradhelmen – vom Integralhelm bis zum Klapphelm.







